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4.3) Nationale Regelwerke

4) Die Katalogisierungsregeln

4.3) Nationale Regelwerke

Die internationalen Normen (Pariser Prinzipien, ISBD) werden im Rahmen der nationalen Regeln umgesetzt:

  • Englischsprachige Länder (und andere): AACR2
  • Deutschsprachige Länder: RAK
  • Schweiz: KIDS, CATS, récaro
  • Italien: REICAT
  • etc.
 

 

a) AACR2 = Anglo-American cataloguing rules

Genereller Überblick: From card catalogues to WebPACS / Michael Gorman. - 2000

http://www.loc.gov/catdir/bibcontrol/gorman.html

 

Geschichte der AACR, einige Etappen


1908:

Catalog[u]ing rules: author and titles entries. - North American ed. - Chicago : ALA, 1908.

Idem: English ed. - London : LA, 1908

  • Gleichzeitig: eigene Regeln in der Library of Congress
  • Zu viele spezifische Fälle, nicht genügend generelle Prinzipien
  • Eine ganze Seite über die Katalogisierung von Expeditionen...


1941: 

ALA cataloging rules. - Preliminary American second ed. - Chicago : ALA, 1941.

Heftige Reaktion von A. Osborne: Osborne, Andrew. - The crisis in cataloging. - Library quarterly, v. 11, no 4 (October 1941), p. 393-411

  • "bitte weniger Regeln, weniger Fälle"
  • "bitte mehr Urteilsfähigkeit"
  • verschiedene Katalogisierungstiefen

1949: 

ALA cataloguing rules for author and title entries. - Second ed. / ed. by Clara Beetle. - Chicago : ALA, 1949

  • eine spezielle Regel nur für ein Kloster auf dem Berg Sinaï...
  • heftige Reaktion von S. Lubetzky
  • Anfang der Reformen...


 

1968: 

Anglo-American catalog[u]ing rules. - North American text. - Chicago : ALA, 1968

Idem: British text. - London : Library Association, 1968

Es sind die "AACR1"

 

1978: 

Anglo-American cataloguing rules. - Second ed. - Chicago : ALA, 1978.

Es sind die "AACR2" 

In Wirklichkeit ein neues Regelwerk:

  • Integration der Pariser Prinzipien
  • Integration der ISBD
  • bessere Kohärenz
  • non books

 

1988: 

Anglo-American cataloguing rules. - Second ed. revised. - Chicago : ALA, 1988

2002: 

Anglo-American cataloguing rules / prepared under the direction of the Joint Steering Committee for revision of AACR, a committee of the American Library Association ... [et al.]. -  Chicago : American Library Association, 2002-. -  Loseblattausgabe

 

Die AACR2 weltweit

  • mehr als 50 (?) Länder in der Welt
  • 18 (?) Übersetzungen
  • de facto sind die AACR2 ein internationaler Katalogisierungscode
  • Länder, die die AACR2 nicht anwenden: Deutschland und Österreich

 

 

Struktur der AACR2

AACR2 Part I

AACR2 Part II

 

 

Die AACR2-Charasteristika

  • Wie soll man die AACR2 in punkto Qualität und Mängel beurteilen? Die Kompatibilität ist am Wichtigsten!
  • Kompatibilität mit den Pariser Prinzipien und mit der ISBD
  • Man katalogisiert mehr "tel quel" (Mac / Mc, Körperschaften, etc.)
  • Mehrbändige Werke : einfache Lösung
  • Beispiele ohne die MARC Kodierung
  • Zu viele Alternativen "man kann ... entweder... oder..."
  • Grundprinizipien nicht klar genug

 

Welche Zukunft für die AACR2?

Es wird niemals AACR3 geben, jedoch wird gerade ein neues Regelwerk unter dem Namen RDA entwickelt. Siehe Kap.  4.4.

 

 

b) Preussische Instruktionen = PI

1899: Preussische Instruktionen 1

1908: Preussische Instruktionen 2

Preussische Instruktionen

 

Eigenschaften der PI:

  • Haupteintragung unter dem Autor
  • keine Eintragung unter Körperschaften
  • Sortierung der Titel gemäss dem ersten Substantiv = substantivum regens

§ 187: "das erste nicht in attributivem oder adverbiellem Verhältnisse stehende Substantiv oder substantivisch gebrauchte Wort (substantivum regens)

Titel: Deutsche Zeitschrift für praktische Medizin

Preussische Sortierung: Zeitschrift Deutsche Medizin praktische

Es ist wichtig die Preussische Sortierung zu kennen, wenn man eines Tages einen alten deutschen Zettelkatalog konsultieren will.

Einfluss der PI in der Deutschschweiz.

 

 

c) RAK = Regeln für die alphabetische Katalogisierung

Ende der 60. Jahre entwicklete Regeln

In beiden Teilen Deutschlands im Jahre 1976/77 eingeführt, dann in Österreich

RAK-WB: wissenschaftliche Bibliotheken

Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken : RAK-WB / [erarbeitet von der Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Alphabetische Katalogisierung (bis 1990) und der Expertengruppe RAK des Deutschen Bibliotheksinstituts (seit 1991) ; hrsg. von der Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Erschliessung und Katalogmanagement ; red. Bearb.: Hans Popst]. -  Berlin : Deutsches Bibliotheksinstitut, 1993->. -  Loseblattausgabe in 1 Ordner ; 32 x 27 cm

RAK-ÖB: öffentliche Bibliotheken

Regeln für öffentliche Bibliotheken - RAK-OeB [hrsg. von der Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Alphabetische Katalogisierung unter Vorsitz von Franz Georg Kaltwasser] [Redaktionelle Bearb.: Hans Popst] -- Wiesbaden : Reichert, 1986


RAK-Eigenschaften

  • Körperschaften als Eintragungen
  • Sortierung der Titel: normale Reihenfolge der Wörter
  • Stufenkatalogisierung


Welche Zukunft für die RAK?

Grundentscheid 2001: "Umstieg auf internationale Regelwerke..." Im Klartext: Ersatz von RAK durch AACR2. Heftige Reaktionen: es wäre zu teuer, unnötig.

 

Heutige Situation

Auf alle Fälle möchte sich Deutschland den AACR2/RDA annähern:

  • entweder RAK 2
  • oder RDA

 

 

d) AACR2 / RAK

Es ist interessant die RAK und die AACR2 zu vergleichen, denn man kann gleichzeitig einige Katalogisierungsprinzipien diskutieren.

Kompatibilität mit den Pariser Prinzipien

AACR2: ok

RAK: ok, aber Tendenz (?) in Richtung "keine Haupteintragung mehr"

 

Argumente pro und contra die Haupteintragung, siehe "Haupteintragung/Nebeneintragungen", 2007

http://www.pierregavin.ch/documents-1/4-regles-catalogage/Entree%20principale-sec-deutsch.doc/view

 

Kompatibilität mit der ISBD

AACR2: ok

RAK: nicht immer konform

 

 

Individualisierung der Autoren

AACR2: prinzipiell ja

RAK: Tendenz in Richtung "Individualiserung"

Individualisierung

 

Transkription / Transliteration

AACR2: phonetische Transkription

Transcription LC

 

RAK: wissenschaftliche Transliteration

Translittération DNB

 

 

Körperschaften

AACR2: unter der offiziellen Form

RAK: oft "rekonstruierte" Ansetzungen

Koerperschaften

 

 

Stufenkatalogisierung

AACR2: kaum...

RAK: sehr gut strukturiert

Stufenkatalogisierung

 

 

e) Schweiz

Ich habe willkürlich 3 Perioden aus der Geschichte der Schweizer Katalogisierungsregeln ausgewählt:

1900-1970

  • verschiedene Regelwerke (oder gar keine...)
  • keine normierten Regeln
  • Einfluss Frankreichs auf die Romandie, und Deutschlands auf die Deutschschweiz (Preussische Instruktionen "à la mode suisse", Herrmann Escher, Zürich)

 

1970-1990

Unter Einfluss der ABS/VSB (dann BBS), wurden die Katalogisierungsregeln in mehreren Faszikeln erstellt.

Katalogisierungsregeln / Vereinigung schweizerischer Bibliothekare. -  Bern : VSB ; Basel : Basler Zeitung, 1983-1992. -  ; 30 cm

Kompatibilität mit den Pariser Prinzipien und mit der ISBD..

(Fast) alle Schweizer Bibliotheken führen die VSB-Regeln ein.

VSB-Regeln http://www.bbs.ch/xml_1/internet/de/application/d3/f203.cfm

 

Ab 1990

Die Frage stellt sich: muss man die VSB-Regeln weiterentwickeln? Nicht realistisch...

Schrittweise akzeptieren die Hauptbibliotheken die AACR2-Regeln.

  • 1999: IDS wählt die AACR2  (KIDS)
  • 2001: die Nationalbibliothek führt die AACR2 (CATS) ein
  • 2006: RERO führt die AACR2 (récaro)


Hauptargumente:

  • Arbeitsaufwand
  • Kompatibilität

 

 

Heutige Situation in der Schweiz

Niemand in der Schweiz bezweifelt die Wahl der AACR2.

Die Unterschiede betreffen nur:

  • die Katalogisierungstiefe
  • die Sprache
  • und verschiedene Punkte

Die Kompatibilität ist noch nicht ideal, aber schon viel besser als vor 20 Jahren!

 

Deutschschweiz, IDS:

KIDS (Katalogisierungsregeln IDS)

Suisse romande, RERO:

récaro, manuel de catalogage RERO

Schweizerische Nationalbibliothek:

CATS, Catalogage Schweizerische Nationalbibliothek

 

 f) Italien

 

Regole italiane di catalogazione (REICAT). - 2009

http://www.iccu.sbn.it/upload/documenti/REICA_bozza_complessiva_genn2009.pdf?l=it

 

 

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