4.2) Die internationalen Normen
4) Die Katalogisierungsregeln
4.2) Die internationalen Normen
Seit 1960, wurden Katalogisierungsregeln auf internationaler Ebene entwickelt: Pariser Prinzipien, dann ISBD.
Grundlage der internationalen Normen ist die implizite Unterscheidung zwischen den verschiedenen Bestandteilen der Titelaufnahme.
- Einträge = normierte Ansetzungsformen (Autoren, Mitarbeiter, Herausgeber, etc.); Haupteintragungen // Nebeneintragungen
- ISBD-Block = Beschreibung des Dokuments (wie eine Photoaufnahme)
- Exemplardaten = Informationen über die Exemplare (Standort, Signatur, Barcode-Nummer, etc.)
- Sacherschliessung = Inhalt des Dokuments (Schlagwörter, Schlagwortketten, Klassifikation, etc.)


a) Die Pariser Prinzipien = PP
Die erste Versammlung der Katalogisierungsexperten, mit dem Ziel internationale Normen zu etablieren, fand 1961 in Paris . Das Ergebnis waren die "Pariser Prinzipien". Lubetzky: Hauptbeitragender zu den Definitionen der Pariser Prinzipien.
Proceedings: International conference on cataloguing principles Paris, 9th-18th October, 1961. - London : International Federation of Library Associations, 1963. - VIII,293 S. ; 8'
Pariser Prinzipien:Full text
Die Pariser Prinzipien kümmern sich nur um die Eintragungen!
Prinzip Nr 1: Scope of statement
"The principles here stated apply only to the choice and form of headings and entry words."
Prinzip Nr 2: Functions of the catalogue
"The catalogue should be an efficient instrument for ascertaining
- 2.1 wether the library contains a particular book specified by
- a) its author and title, or
- b) if the author is not named in the book, its title alone, or
- c) if author and title are inappropriate or insufficient for identification, a suitable substitute for the title; and
- 2.2 a) which works by a particular author and
- b) which editions of a particular work are in the library"
Prinzip Nr 4: Kinds of entry
"Entries may be of the following kinds: main entries, added entries and references."

Prinzip Nr 8: Single personal authors
"The uniform heading should be the name by which the author is most frequently identified in editions of his works, in the fullest form commonly appearing there."
Beispiel: Kennedy, John F. (John Fitzgerald), 1917-1963
Prinzip Nr 9: Corporate bodies
"The main entry for a work should be made under the name of a corporate body (i.e. any institution, organized body or assembly of persons known by a corporate or collective name), ..."
Vor den Pariser Prinzipien: überhaupt keine Eintragung unter Körperschaften in Deutschland!

Vor den Pariser Prinzipien: Körperschaften manchmal unter Ortsnamen erfasst (sic Grossbritannien)

Prinzip Nr 12: Personal names
"When the name of a personal author consists of several words, the choice of entry word is determined so far as possible by agreed usage in the country of which the author is a citizen, or, if this is not possible, by agreed usage in the language which he generally uses"
Es handelt sich um landesüblichen Gebrauch.
Jean de La Fontaine, Werner von Braun, Gabriele D'Annunzio, Johann Wolfgang von Goethe, etc.
| Names of persons : national usages for entry in catalogues / [International Federation of Library Associations and Institutions, IFLA Universal Bibliographic Control and International MARC Programme]. - München [etc.] : K. G. Saur, 1996. - XII, 263 S. ; 25 cm | |
| (UBCIM publications. New series ; vol. 16) | |
| ISBN: 3-598-11342-0 |
Sortierung nach der Originalreihenfolge der Wörter
Durch die Pariser Prinzipien wurde die preussische Sortierung implizit zum Tode verurteilt.
Titel: New review of academic librarianship
Preussische Sortierung: Review new librarianship academic
Sortierung nach der Originalreihenfolge der Wörter: New review of academic librarianship
b) ISBD = International Standard Bibliographical Description
Die IFLA ist zuständig. http://www.ifla.org/VII/s13/pubs/cat-isbd.htm
Die erste Ausgabe der ISBD datiert von 1971, und von da an wurden die ISBD beständig auf neuesten Stand gebracht, komplettiert und verbessert.
Die Ziele
Das Ziel der ISBD ist die detailgetreue Beschreibung des Dokuments, so wie es ist, wie eine Fotographie desselben. Dies wird häufig "ISBD-Block" genannt. Der ISBD-Block enthält:
- eine gewisse Anzahl definierter Zonen
- in einer bestimmten Reihenfolge
- mit einer normierten Interpunktion
Beispiel:
Derborence : roman / C. F. Ramuz. - Paris : Grasset, 2003. - 182 p. : ill. ; 21 cm
(Les cahiers rouges)
Derborence : roman / C. F. Ramuz = Titel, Untertitel und Uhrheberangabe
Paris : Grasset, 2003 = Verlagsort, Verlag, Erscheinungsdatum
182 p. : ill. ; 21 cm =physische Beschreibung
Les cahiers rouges = Reihenangabe
Unabhängigkeit des ISBD-Blocks
Der ISBD-Block ist vollständig unabhängig von den gewählten Eintragungen und von lokalen Angaben (welche Exemplare in welchen Bibliotheken).
Wichtisgtes Prinzip, dank dessen eine breite internationale Zustimmung erhalten wurde.
Unabhängigkeit von den Eintragungen:

Unabhängigkeit von lokalen Angaben:

Ziele der ISBD
- Vereinfachung des Austausches von Aufnahmen
- Erleichterung der Lesbarkeit von Aufnahmen für die Benutzer
- Vereinfachung der Retrokonversion
- Vereinfachung der Ausbildung der Bibliothekare
Die ISBD in einigen Worten
- Eine Beschreibung gemäss ISBD ist neutral und gilt für mehrere Bibliotheken.
- Sie ist grösstenteils von der Sprache des Katalogisierers unabhängig, sowie auch von der Sprache des Lesers.
- Sie ist austauschbar.
- Sie ist international normiert.
- Sie basiert nur auf "externen" Aspekten des Dokuments (Titelseite, etc.) und berücksichtigt nicht dessen Inhalt.
- Die ISBD identifiziert ganz genau ein Dokument: die Aufnahme, die ich im Katalog sehe, ist die richtige, die das Buch in meinen Händen bescshreibt.
ISBD und EDV
ISBD ist ein Anzeigeformat und kein Speicherformat!

ISBD im Kreuzfeuer der Kritik...
- die ISBD-Interpunktion wäre obsolet und unnütz, willkürlich und verwirrend
- die normierte Reihenfolge der Felder wäre unnütz
- der ISBD-Block wäre nur gut für die althergebrachten Kärtchen
- die Urherberangabe wäre in den meisten Fällen unnötig und redundant
- etc.
Persönnliche Auffassung
es existiert ein gewisser Spielraum; zum Beispiel, der ISBD-Block kann als Block oder als Tabelle angezeigt werden.

Aber die Respektierung der ISBD ist eine conditio sine qua non für die Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken, und für eine gute Lesbarkeit der Aufnahmen für das Publikum.

